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Altes Rathaus (Rathausplatz 1)

Foto Altes Rathaus (Rathausplatz 1)

Freitreppe vor dem Kulturtreff „Altes Rathaus“ am Rathausplatz im Herzen der Stadt.

Das 1897 errichtete und in den 50er Jahren umgestaltete alte Rathaus beherbergte bis 1947 im unteren Teil die Feuerwache und bis 1987 den größten Teil der Stadtverwaltung. Heute befinden sich in den Räumen die Tourist-Information der Stadt, die seit 1902 bestehende Stadtbibliothek und das städtische Archiv sowie Räumlichkeiten für wechselnde Ausstellungen. Neben kulturellen Veranstaltungen im ersten Obergeschoß tagen dort noch gelegentlich Rat und Ausschüsse der Stadt.

Der Rathausplatz selbst liegt unmittelbar an der wichtigen Nord-Süd-West-Ost Wegekreuzung bedeutender Handelswege, denen der Ort seine Entstehung verdankt. 

Der Römer

Foto: Junap (Flickr)

Das Torhaus „Römer“ – ein Gebäude so vielfältig und interessant wie die Geschichte Lengerichs. Das Bauwerk, dessen Namensdeutung im Dunkel der Geschichte liegt, diente seit dem 13. Jahrhundert als Tordurchgang zum Kirchhof. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde es durch Aufstockung auch für Wohnzwecke genutzt. 1850 kaufte das Amt Lengerich den Römer. Er wurde Rathaus, Gefängnis und Feuerwehrgeräteunterstand.

Ab 1897, nach dem Bau des neuen Rathauses, stand der Römer leer. 1905 beherbergte er einen Klassenraum der traditionsreichen Amtsrektoratschule, das städtische Archiv und im unteren Teil kleine Geschäfte. Heute ist er als Restaurant und Bierstube in „aller Munde“. Der obere Raum wird auch für Trauungen genutzt.  

(Foto (c) "Junap" ( Flickr)

Evangelische Stadtkirche (Altstadt)

Foto Evangelische Stadtkirche (Altstadt)

Die Südseite der Kirche wird durch alte und neue Gestaltungselemente harmonisch untergliedert. Das im anglo-normannischen Stil um 1250 geschaffene romanische Portal bildet in seiner stilistischen Geschlossenheit ein Kleinod der westfälischen Architektur im Tecklenburger Land. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das 1930 geschaffene Kriegerehrenmal der Stadt, dass in seiner Eindringlichkeit noch heute den Betrachter berührt.
Die Stadtkirche Lengerich in ihrer heutigen Form stammt aus dem 14. bzw. späten 15. Jahrhundert Das älteste Bauteil ist heute der vierstöckige Kirchturm mit seinen 61 Metern. Das Kirchenschiff wurde 1497 im spätgotischen Stil in Form der westfälischen Hallenkirche vollendet. Ein einziger mächtiger Pfeiler trägt im Inneren der Kirche das Gewicht der Gewölbe von Haupt- und Seitenschiff. Eine Besichtigung des Kircheninnern ist auf Anfrage möglich (Evangelische Kirchengemeinde Lengerich , Herr Reinecke 05481/80733).
Die Dimensionen der Kirche erinnern an die Blütezeit des Marktfleckens Margarethen-Lengerich von 1327 bis zur Reformation 1527. In diesen 200 Jahren war der Ort Wallfahrtsstätte. Am Namenstag der heiligen Margareta von Antiochien, dem 20. Juli, versammelten sich in zunehmenden Maße Pilger im Ort um sie zu verehren. Auch soll es einen Brunnen gegeben haben, dessen Wasser heilende Wirkung hatte. Als der Graf von Tecklenburg in seinem Herrschaftsbereich die Reformation einführte, wurde die Wallfahrt zu dem wundertätigen Bild der heiligen Margaretha unterbunden und ihr Standbild zerstört.
 

Heimathaus

Die Geschichte dieses für die Region so typischen Ackerbürgerhauses reicht im Kern bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurück. Seine heutige charakteristische Gestalt mit Haupthaus und klassizistischer Werksteinfassade sowie einem Stallanbau zur Selbstversorgung erhielt das Haus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bis zu seinem Verkauf an den örtlichen Heimatverein befand sich das Anwesen mit großem Nutzgarten ununterbrochen im Besitz der Nachfahren der Erbauer. Behutsam in seiner Grundsubstanz restauriert, ist eine Innenbesichtigung auf Anfrage möglich (Heimatverein Lengerich / Herr Knemöller, Telefon: 05481/95556).  

Das Kontor

Das alte, im Kern aus dem 18. Jahrhundert stammende Gebäude, welches noch heute als "Kontor" bezeichnet wird. Es war bis Ende des 19. Jahrhunderts Wohnhaus der Familie Gempt, die hier zunächst eine Zichorien- und Pumpernickelfabrik betrieb und ab 1856 erst Hanf- und später Drahtseile herstellte. In den Jahren 1896 und 1897 erhielt das "Kontor" seine spätklassizistische Fassade. Es ist nicht nur ein Beispiel städtischen Wohnens auf dem Lande, sondern auch Keimzelle eines aus bescheidenen Anfängen entstandenen Großunternehmens, welches den Ruf Lengerichs als Industriestandort mitbegründet hat. Heute befindet sich dort ein Geschäftshaus mit Antiquitäten, Wohn- und Dekorationsartikeln sowie Wein und Kaffee. 

Dyckerhoffbrunnen und Wapakoneta-Platz

Am Ende der Fußgängerzone liegt auf der linken Seite der Wapakoneta-Platz mit dem Dyckerhoff-Brunnen.

Anlässlich ihres 125jährigen Firmenjubiläums schenkte die Dyckerhoff AG der Stadt Lengerich dieses Kunstwerk. Der 1990 von der Künstlerin Christine Rostalski aus Beton geschaffene Brunnen soll Design und Wasser harmonisch vereinen und somit eine entspannte Atmosphäre schaffen. Der Betrachter soll erfrischt und offen für Kommunikation sein. Diese moderne Arbeit demonstriert deutlich das selbst Beton schön sein kann, wenn er künstlerisch bearbeitet worden ist. Der Platz erhielt seinen Namen und eine Gedenkplatte im Jahre 2004 anlässlich der zehnjährigen Partnerschaft zwischen den Sister-Cities Wapakoneta in Ohio (USA) und Lengerich.  

Gempt-Halle und Schornstein

Seit 2004 Veranstaltungsort für Stadt und Region war der Komplex der Gempt-Halle ursprünglich Bestandteil des Drahtseilwerkes Gempt. Diese 1856 gegründete Firma erlebte als kriegswichtiger Betrieb während des 1. Weltkrieges einen rasanten Aufstieg, der zu einer Kapazitätserweiterung des Werkes um ein vielfaches führte. Teil des firmeninternen Ausbauprozesses zur Verbesserung von Quantität und Qualität der Produkte ist die so genannte Gempt-Halle, die aus einem Komplex von drei Hallen besteht und in denen Glühofen Rohdraht zum Glühen brachten und anschließend in einem Wasserbad gehärtet wurden. Alle drei Schiffe wurden in der damals modernen Stahlbetonskelettbauweise errichtet.

Eine Teilinbetriebnahme erfolgte 1917, die endgültige Fertigstellung erst 1918/19. Der für den Betrieb der Glühöfen vorgesehene 60 Meter hohe Schornstein mit Kühlwasserbehälter (Fassungsvermögen ca. 150.000 Liter) wurde erst im April 1919 in Betrieb genommen.

Von 1957 bis 2002 nutzt die benachbarte Maschinenbaufirma Windmöller & Hölscher die Hallenschiffe als Gießerei und Lager. Wahrscheinlich wären auch diese Hallen wie alle anderen Betriebsgebäude dem Abriss zum Opfer gefallen, wenn nicht schon seit langer Zeit der Wunsch nach einer in Größe und Nutzung variablen Veranstaltungshalle im Ort vorhanden gewesen wäre.

Unter starker Bürgerbeteiligung und finanzieller Unterstützung durch das Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Regionale 2004 konnte der Komplex umgebaut und im September 2004 der Öffentlichkeit übergeben werden.  

Der Zwischenfall

Hier befindet sich der 1992 von Gerd Ruwe geschaffene Brunnen „Der Zwischenfall“. Immer wieder bleiben Besucher an der Skulpturengruppe stehen. „Zwischenfall“ nennt der Künstler aus Osnabrück die Plastik, die sich mit viel Dynamik fächerförmig zu den Köpfen der Figuren hin auffaltet. Der Betrachter amüsiert sich und ist froh, dass er nicht selbst in den Zwischenfall verstrickt ist. Dieser originelle Brunnen wurde an historischer Stelle errichtet.

Bei Erschließungsarbeiten wurde an dieser Stelle ein alter gemauerter Brunnenschacht wieder entdeckt. Es gibt Vermutungen, dass es sich dabei um den Margaretenbrunnen handelt, dessen Wasser heilende Wirkung gehabt haben soll und von den Pilgern während der Wallfahrtszeit Lengerichs im 14. und 15. Jahrhundert aufgesucht wurde. Erst nachdem zwei Menschen in ihm ertranken, wurde der Brunnen zugeschüttet und nach mehr als 200 Jahren wieder entdeckt. Heute spielen an heißen Sommertagen viele Kinder im flachen Wasserbassin des Brunnens.

Friedhofskapelle und Friedhof

Etwa zehn Minuten Fußweg vom Rathausplatz entfernt befindet sich die sehenswerte Friedhofskapelle und der Friedhof der früheren Provinzial-Heilanstalt.

Sie gehen durch den Römer, an der Ev. Stadtkirche vorbei bis ans Ende der Fußgängerzone. Dann gehen Sie rechts hoch zur Hauptstraße. Sie überqueren die Straße und gehen die Friedhofstraße hinauf. Sie gehen rechts die Straße Am Kleeberg hoch. Dort finden sie hinter der Tennishalle den Wanderparkplatz und die Kapelle.

Friedhof und Friedhofskapelle der Anstalt „Bethesda“ wurden im Mai 1926 ihrer Funktion übergeben, nachdem die bis dahin bestehende Mitnutzung des evangelischen Stadtfriedhofes nicht mehr möglich war. Der bis in die siebziger Jahre hinein rege genutzte Friedhof mit seiner Kapelle verfiel zusehends in den achtziger und neunziger Jahren. Kurz vor der endgültigen Zerstörung der Kapelle setzte sich eine örtliche Initiative aus verschiedenen Vereinen und der Klinikleitung erfolgreich für den Erhalt des Gebäudes und seine Unterschutzstellung ein. Die Kapelle ist nicht nur ein Beispiel für eine einfache aber zweckmäßige funktionale Bauweise ihrer Entstehungszeit mit heimischen Materialien, sondern verbindet auch als eine Art Eingangstor und Übergangsbereich die Ruhe des naturnahen Friedhofes mit dem Kernbereich des dahinter liegenden Alva –Skulpturenparks und seinen vielfältigen Elementen.  

Megalithgrab

Wer in die Frühzeit der Region eintauchen möchte, sei noch auf das Megalithgrab im Lengericher Ortteil Wechte in unmittelbarer Nachbarschaft zum Burgstädtchen Tecklenburg hingewiesen.

Dieses ca. 4 Kilometer von Lengerich direkt auf der linken Seite der Tecklenburger Straße Richtung Tecklenburg gelegene Großsteingrab wurde 1927 entdeckt. In diesen Gräbern wurden über lange Zeiträume hinweg Angehörige einer Großfamilie mit Grabbeigaben beigesetzt. Behutsam ergänzt sind die steinernen Bestandteile etwa 4000 Jahre alt und ermöglichen einen Einblick in die Bestattungskultur unserer Vorfahren.  

Haus Vortlage

Im Süden Lengerichs an der Straße Richtung Ladbergen liegt der ehemalige Rittersitz "Haus Vortlage", der seit dem 13. Jahrhundert als befestigtes Haus auf einer Motte (Erdhügel umgeben von einem Wassergraben) mit hölzernem Palisadenzaun nachweisbar ist. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Herrensitz unter Aufgabe der alten Standorte zu Beginn des 18. Jahrhunderts an seinen heutigen Platz verlagert. Noch heute erinnert die Flurbezeichnung "Zur alten Vortlage" daran.   

Im Jahr 1991 konnte das landschaftlich reizvoll gelegene Haus Vortlage - kurz auch "Vortlage" genannt - bestehend aus einer Mühle, Eichenallee, Gräfte und Haupthaus (Gutshof und Herrensitz), auf sein 700jähriges Bestehen zurückblicken.

Die private Anlage mit der restaurierten Mühle ist nur von außen zu besichtigen, bietet aber dennoch mit der klassizistischen Formensprache des Haupthauses und der Toranlage von 1730 deutlich erkennbar eine Vorstellung adeliger Wohnkultur vergangener Tage . 

Gut Erpenbeck (Erpenbecker Straße)

Foto Gut Erpenbeck (Erpenbecker Straße)

Einziger ehemaliger Gräftenhof im Tecklenburger Land mit gut erhaltener und restaurierter Wassermühle (Öl- und Getreidemühle) mit hölzernen Torbogen.