Grün statt Grau – Gewerbegebiete im Wandel

Die Entwicklung von nachhaltigen Gewerbegebieten steht bei dem bundesweiten Projekt „Grün statt Grau“ im Fokus. Mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung koordiniert der Wissenschaftsladen Bonn das Projekt, welches seit Anfang des Jahres 2019 als besonders innovativ und nachhaltig im Rahmen der Klimaexpo.nrw ausgezeichnet wurde. Neben anderen Pilotstädten nimmt auch Lengerich an diesem Projekt teil und profitiert als Transferstadt von den Beratungs- und Planungsangeboten zu nachhaltiger, naturnaher Gestaltung von Gewerbegebieten. Fachliche Unterstützung erhält die Stadt dabei von dem Global Nature Fund.

Im Projektzeitraum bis einschließlich September 2019 umfasste das Beratungsangebot drei Erstberatungen zur naturnahen Gestaltung von Gewerbeflächen im Bestand mit einer Ortsbegehung durch den Global Nature Fund. Die Fachleute erstellen eine Potentialanalyse zu Gestaltungsmöglichkeiten des betreffenden Geländes. Mit einem Ergebnisbericht erhält das interessierte Unternehmen Vorschläge zur Geländegestaltung.

Im Anschluss an die Erstberatung kann sich das Unternehmen eine Detailplanung im Wert von bis zu 1000,00 Euro fördern lassen. Diesmal werden durch Naturgartenfachplaner*innen konkrete Pflanzpläne und Pflanzenlisten erstellt, so dass die Gartenplanung die Umsetzung einer naturnahen Geländegestaltung erlaubt.

Für die Zeit ab September 2019 ist ein Folgeprojekt beantragt, so dass – so ist die Hoffnung – weitere Beratungen ermöglicht werden.

Neu ist in diesem Zusammenhang ein EU-LIFE-Projekt zur Förderung der Biodiversität bei der Entwicklung und Planung von unbebauten, gewerblichen Flächen. Auch hier bestehen seit kurzem Beratungsmöglichkeiten, die ähnlich einer Erstberatung die Gestaltungsmöglichkeiten einer noch zu planenden Fläche aufzeigen.

Der Fachdienst Bauen, Planen und Umwelt der Stadtverwaltung Lengerich vermittelt in Kooperation mit dem Wissenschaftsladen Bonn und dem Global Nature Fund die Beratungsleistungen.

Die drei Erstberatungen wurden von dem Turnverein Lengerich (TVL) am Rande des Gewerbegebiets Lohesch, dem zentrumsnah gelegenen Senioren-Zentrum „Haus Widum“ und Maschinenbau Witt am Hullmanns Damm bereits in Anspruch genommen.

Eine nachhaltige Geländegestaltung einer gewerblichen Fläche bietet viele Möglichkeiten:

  • Durch eine naturnahe Gestaltung des Geländes wird die Biodiversität gefördert. Baumpflanzungen, Blumeninseln, Wiesen oder die Entsieglung von befestigten Flächen bieten Lebensraum für eine Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten. Insbesondere Bienen und Wildbienen, Vögel und andere Insekten finden sich ein.
  • Naturnah gestaltete Eingangsbereiche und Plätze mit besonderer Aufenthaltsqualität im Grünen sorgen für ein positives Image, das Wohlbefinden der Mitarbeiter*innen und ein entspanntes Naturerleben.
  • Eine Dach- und Fassadenbegrünung trägt neben ihrer klimatisierenden Wirkung auch zur Artenvielfalt bei.
  • Kombinationen der Grünanlagen mit Abstellplätzen für Fahrräder, E-Ladesäulen oder PV-Anlagen können eingeplant werden.
  • Dabei ist eine naturnahe Gestaltung häufig auch weniger pflegeintensiv und spart damit Kosten ein.


Die Vorteile für die betreffenden Unternehmen und Institutionen liegen auf der Hand: durch eine „Grüne Visitenkarte“ kann sich das Unternehmen als innovativ und verantwortungsbewusst präsentieren. Auch Mitarbeiter*innen können sich positiv damit identifizieren. Die Firma wird somit als Arbeitgeberin noch interessanter. Zeigt sie doch auch, dass sie sich nicht nur für die Natur sondern auch für das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter*innen und ein positives Arbeitsklima einsetzt.