Grün statt Grau – Gewerbegebiete im Wandel

Die Entwicklung von nachhaltigen Gewerbegebieten steht bei dem bundesweiten Projekt „Grün statt Grau – Gewerbegebiete im Wandel“ im Fokus. Gemeinsam arbeiten in diesem Projekt Kommunen und Unternehmen an einer nachhaltigen Weiterentwicklung von bestehenden Gewerbegebieten. Das Hauptanliegen ist die Entsiegelung und naturnahe Begrünung von Gewerbeflächen zur Förderung von Biodiversität, Aufenthaltsqualität, Klimaschutz und Klimaanpassung. Mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung koordiniert der Wissenschaftsladen Bonn das Projekt, welches seit Anfang des Jahres 2019 als besonders innovativ und nachhaltig im Rahmen der Klimaexpo.nrw ausgezeichnet wurde. Neben anderen Modellstädten nimmt auch Lengerich teil und profitiert als Transferstadt von den Beratungs- und Planungsangeboten zu nachhaltiger, naturnaher Gestaltung von Gewerbegebieten. Unterstützung erhält die Stadt dabei von einem weiteren Projektpartner, der Umweltstiftung „Global Nature Fund“.

Kernpunkt ist die Beratung interessierter Unternehmen mit einer Ortsbegehung ihrer Fläche durch den „Global Nature Fund“. Die Fachleute erstellen eine Potentialanalyse zu Gestaltungsmöglichkeiten des betreffenden Geländes. Mit einem Ergebnisbericht erhält das Unternehmen Vorschläge zur naturnahen Geländegestaltung und Anregungen zur Förderung der Artenvielfalt, der Aufenthaltsqualität für Mitarbeiter*innen, zur Kombination mit dem  Einsatz von Solarenergie oder umweltbewusster Mobilität.

Im Anschluss an die Erstberatung kann sich das Unternehmen eine Detailplanung fördern lassen. Diesmal werden durch Naturgartenfachplaner*innen konkrete Pflanzpläne und Pflanzenlisten erstellt, so dass mit der Umsetzung einer naturnahen Geländegestaltung begonnen werden kann.

Das Projekt „Grün statt Grau – Gewerbe im Wandel“ wird noch bis zum September 2021 fortgeführt, so dass weiterhin Erstberatungen und Detailplanungen in Anspruch genommen werden können.

Bisher wurde dieses Angebot von dem Turnverein Lengerich (TVL) und Maschinenbau Witt im Gewerbegebiet Lohesch, dem zentrumsnah gelegenen Senioren-Zentrum „Haus Widum“ und der Fa. Garant im Gewerbegebiet Antruper Esch angenommen.

Neu ist in diesem Zusammenhang ein EU-LIFE-Projekt zur Förderung der Biodiversität bei der Entwicklung und Planung von unbebauten, gewerblichen Flächen. Auch hier bestehen seit kurzem Beratungsangebote, die die nachhaltigen Gestaltungsmöglichkeiten einer noch zu planenden Fläche aufzeigen. Von diesem Angebot haben bereits einige Firmen, die sich in Lengerich ansiedeln möchten, Gebrauch gemacht.

Eine nachhaltige Geländegestaltung einer gewerblichen Fläche bietet viele Möglichkeiten:

  • Durch eine naturnahe Gestaltung des Geländes wird die Biodiversität gefördert. Baumpflanzungen, Blumeninseln, Wiesen oder die Entsieglung von befestigten Flächen bieten Lebensraum für eine Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten. Insbesondere Bienen und Wildbienen, Vögel und andere Insekten finden sich ein.
  • Naturnah gestaltete Eingangsbereiche und Plätze mit besonderer Aufenthaltsqualität im Grünen sorgen für ein positives Image, das Wohlbefinden der Mitarbeiter*innen und ein entspanntes Naturerleben.
  • Eine Dach- und Fassadenbegrünung trägt neben ihrer klimatisierenden Wirkung auch zur Artenvielfalt bei.
  • Kombinationen der Grünanlagen mit Abstellplätzen für Fahrräder, E-Ladesäulen oder PV-Anlagen können eingeplant werden.
  • Dabei ist eine naturnahe Gestaltung häufig auch weniger pflegeintensiv und spart damit Kosten ein.


Die Vorteile für die betreffenden Unternehmen liegen auf der Hand: durch eine „Grüne Visitenkarte“ kann sich das Unternehmen als innovativ und verantwortungsbewusst präsentieren. Auch Mitarbeiter*innen können sich positiv damit identifizieren. Die Firma wird somit als Arbeitgeberin noch interessanter. Zeigt sie doch auch, dass sie sich sowohl für die Natur als auch für das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter*innen einsetzt.

Anmeldungen beim Fachdienst Bauen, Planen und Umwelt, Tel.: 05481-33555 und 33510, Frau Dr. Heising/Frau Schubert und Frau Elias.

Weitere Informationen:

www.gewerbegebiete-im-wandel.de

Grün statt Grau, Klimaanpassung und Stadtnatur – ein Thema für Gewerbegebiete, Sandra Sieber, Stadt + Grün, 06 / 2020